Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen

3. November 2017 bis 11. März 2018, Bundeskunsthalle in Bonn

2. November 2017 bis 4. März 2018, Kunstmuseum Bern
Bestandsaufnahme Gurlitt. „Entartete Kunst“ – Beschlagnahmt und verkauft

Strandcafe in Zandvoort. Ein schwarzer Kellner serviert Touristen, die teilweise stehen und zum Meer blicken, auf der Sonnenliege oder unterm Sonnenschirm sitzen, den Champagner. Im Hintergrund das Meer.

Max Beckmann (1884–1950), Zandvoort Strandcafé ,1934
Gouache und Aquarell auf Papier, 49,8 × 64,8 cm, www.lostart.de/478550, VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Seit 2014: Nachlass Cornelius Gurlitt


Die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zeigen zeitgleich eine Auswahl von Kunstwerken aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Die in einen historischen Gesamtkontext eingebetteten Präsentationen basieren auf dem aktuellen Forschungsstand zum „Kunstfund Gurlitt“ und stellen das umfangreiche Werkkonvolut erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.
Beide Ausstellungen sind inhaltlich eng aufeinander abgestimmt. In Bern liegt der Fokus auf Werken der „Entarteten Kunst“ und auf Arbeiten aus dem Kreis der Familie Gurlitt. Die Bundeskunsthalle konzentriert sich auf Werke, die NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden, sowie auf Werke, deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Auch werden in der Bonner Ausstellung die Schicksale der verfolgten, meist jüdischen, Künstler, Kunstsammler und Kunsthändler den Täterbiografien gegenübergestellt sowie der beispiellose Kunstraub der Nationalsozialisten in Deutschland und in den von den Nazis besetzten Gebieten thematisiert.

Die Bundeskunsthalle zeigt rund 250 Werke, von denen die meisten NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden oder deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Die einzelnen Kapitel werden durch eine durchlaufende Zeitleiste mit relevanten historischen Ereignissen zu einem großen Orientierungsrahmen und Hintergrund des Geschehens verbunden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der wachsenden Entrechtung und Diskriminierung insbesondere der jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler. Ihre Schicksale werden in einer Reihe von biografisch angelegten Fallbeispielen visualisiert.

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle ist in fünf übergreifende Kapitel gegliedert. Im Verlauf des Ausstellungsrundgangs sollen die komplexen Mechanismen der NS-Kulturpolitik sowie des strategisch organisierten NS-Kunstraubs offengelegt werden. Gleichzeitig wird der ambivalente Werdegang Hildebrand Gurlitts thematisiert und den Biografien Betroffener gegenübergestellt. Die Fallbeispiele wichtiger Protagonisten werden als deutlich gestaltete Ausstellungseinheiten mit Kunstwerken, Texten, Fotos und Archivalien inszeniert und finden sich im gesamten Ausstellungsrundgang wieder.

Die Themenschwerpunkte der fünf Kapitel beziehen sich auf unterschiedliche historische Zeiträume: Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik, Deutschland nach der Machtergreifung 1933, insbesondere aber die Situation ab 1938, als durch den „Führervorbehalt“ die Grundlage für den beispiellosen und systematisch organisierten Kunstraub geschaffen wurde. Innerhalb der Zeit des Zweiten Weltkriegs 1939–1945 rücken vor allem die Aktivitäten in den von Deutschland besetzten Gebieten (vornehmlich Frankreich), in den Fokus, auf die der Führervorbehalt 1940 erweitert wurde.

Am Schluss der Ausstellung richtet sich der Blick zudem auf die unmittelbare Nachkriegszeit und den heutigen Umgang mit teils noch immer ungeklärten Fragen, die sich auf Restitution und Verantwortung beziehen, auf den Stellenwert von institutionalisierter Provenienzforschung und auf ein generelles Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge und Widersprüche auf diesem Gebiet.
Es besteht die Möglichkeit, in einem in die Ausstellung integrierten Diskursraum die Problematik, die mit dem „Kunstfund Gurlitt“ und dem gesamten Themenfeld einhergeht, kontinuierlich mit unterschiedlichen Protagonisten und Experten zu diskutieren.

Öffentliche Führung für Hörbehinderte (mit Höranlage)

in LBG und / oder Lautsprache bei Karin Müller Schmied, schwerhörig
Für Hörbehinderte und ihre gut hörenden Freunde / Familie

Sa, 02.12.2017
14:00 – 15:30 Uhr (90 min)
Sa, 10.03.2018
14:00 – 15:30 Uhr (90 min)

Teilnahme nur nach Anmeldung bei der Bundeskunsthalle möglich.
Anmeldeschluss: 3 Tage vor der Führung

Öffentliche Führungen in Deutscher Gebärdensprache

mit Reinhard Niemeier, gehörlos

So, 21.01.2018
15:00 – 16:30 Uhr (90 min)
So, 25.02.2018
15:00 – 16:30 Uhr (90 min)

Teilnahme nur nach Anmeldung bei der Bundeskunsthalle möglich.
Anmeldeschluss: 3 Tage vor der Führung

Gruppenangebote

Führung in Deutscher Gebärdensprache

Führung für Hörbehinderte und ihre gut hörenden Freunden / Familie (mit Höranlage)

mit gehörlosen oder schwerhörigen KunstvermittlerInnen
Termine frei buchbar, Anmeldung mindestens 5 Werktage vor dem gewünschten Termin.
Teilnehmerzahl: mindestens 5, maximal 10 gehörlose oder schwerhörige Personen
Bitte geben Sie bei der Buchung die genauen Bedürfnisse Ihrer Gruppe an, damit wir ein passendes Angebot für Sie zusammenstellen können.

Alle Führungen:

6,- € pro Person plus ermäßigtem Eintritt (für alle Teilnehmenden)
Anmeldung und Buchung: kunstvermittlung@bundeskunsthalle.de

Zusätzliches Angebot der Bundeskunsthalle

Mediaguide in Deutscher Gebärdensprache

ohne Untertitel, kostenfrei bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises

Audiodeskription für Blinde

kostenfrei bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises

Audioguide in Deutsch und Englisch

4 € / ermäßigt 3 €, kostenfrei bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises
(Ermäßigung für ArtCard- und ELLAH-Inhaber/-innen und Begleitpersonen)
Statt Kopfhörer können Induktionsschleifen für das induktive Hören kostenfrei ausgeliehen werden.